Der Präsident und Vorstandsvorsitzende von Boeing, Kelly Ortberg, hat am Freitag eine tiefgreifende Umstrukturierung angekündigt, in deren Rahmen in den kommenden Monaten rund 10 % der weltweiten Belegschaft des Flugzeugbauers – etwa 17.000 Arbeitsplätze – wegfallen werden. In einer Mitteilung an die Beschäftigten erklärte Ortberg, dass der Abbau Führungskräfte, Manager und reguläre Mitarbeiter gleichermaßen betreffen werde, während der Konzern gegen hohe Verluste und einen seit einem Monat andauernden Streik von rund 33.000 Mechanikern an der US-Westküste kämpft.

Parallel zum Personalabbau informierte Boeing seine Kunden darüber, dass sich die erste Auslieferung des neuen Flaggschiff-Großraumflugzeugs 777X um ein weiteres Jahr von 2025 auf 2026 verzögert – sechs Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. Das Langstreckenprogramm 777X litt zuletzt unter strengeren Zertifizierungsauflagen, einer vorübergehenden Aussetzung der Testflüge im August wegen eines defekten Strukturbauteils an der Triebwerksaufhängung sowie dem Arbeitskampf im Bundesstaat Washington.

Großraumjet 777X auf 2026 verschoben und Produktionsende für kommerziellen 767-Frachter

Im Zuge der Bereinigung seines Produktportfolios beschloss Boeing zudem, die Produktion der kommerziellen Frachtversion der 767 im Jahr 2027 einzustellen, sobald die verbleibenden 29 bestellten Flugzeuge für Frachtfluggesellschaften ausgeliefert sind. Die Endmontage des auf der 767 basierenden Tankflugzeugs KC-46A Pegasus für die US-Luftwaffe und verbündete Streitkräfte wird hingegen planmäßig fortgesetzt.

In vorläufigen Finanzdaten vor der Veröffentlichung des vollständigen Quartalsberichts am 23. Oktober stellte Boeing für das dritte Quartal einen Umsatz von 17,8 Milliarden US-Dollar und einen GAAP-Verlust von 9,97 US-Dollar je Aktie in Aussicht. Der operative Mittelabfluss belief sich im Quartal auf 1,3 Milliarden US-Dollar, womit der Konzern Ende September über 10,5 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und Wertpapieren verfügte.

“Unser Geschäft befindet sich in einer schwierigen Lage, und man kann die Herausforderungen, vor denen wir gemeinsam stehen, kaum überschätzen. Die Sanierung unseres Unternehmens erfordert harte Entscheidungen und strukturelle Veränderungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.” — Kelly Ortberg, Präsident und Vorstandsvorsitzender von Boeing

5 Milliarden US-Dollar Sonderbelastungen während Streik die Liquidität belastet

Die vorläufigen Quartalszahlen enthalten Vorsteuerbelastungen von insgesamt 5 Milliarden US-Dollar in den beiden größten Konzernsparten. Auf die Verkehrsflugzeugsparte entfallen 3 Milliarden US-Dollar – davon 2,6 Milliarden für das 777X-Programm und 400 Millionen für das 767-Programm –, während die Rüstungs- und Raumfahrtsparte 2 Milliarden US-Dollar für Festpreis-Entwicklungsprojekte wie den Trainingsjet T-7A Red Hawk verbucht.

Die Tarifverhandlungen zwischen Boeing und der Gewerkschaft International Association of Machinists and Aerospace Workers (IAM) sind nach dem Abbruch der Gespräche Anfang der Woche weiterhin festgefahren, sodass die Fertigung der wichtigen Cashflow-Träger 737 MAX, 767 und 777 im Raum Seattle stillsteht. Ortberg betonte, dass Boeing angesichts des nun eingeleiteten dauerhaften Stellenabbaus auf weitere Runden unbezahlten Zwangsurlaubs verzichten werde.

Frequently Asked Questions

Wie viele Arbeitsplätze baut Boeing im Rahmen seiner Restrukturierung ab?

Boeing streicht in den kommenden Monaten rund 10 % seiner weltweiten Belegschaft, was etwa 17.000 Stellen über alle Ebenen von Führungskräften bis zu Produktionsmitarbeitern entspricht.

Wann soll das Großraumflugzeug Boeing 777X nun erstmals ausgeliefert werden?

Boeing hat die erste Kundenauslieferung des Langstreckenjets 777X aufgrund von Testflugunterbrechungen, Zertifizierungshürden und dem Mechanikerstreik von 2025 auf 2026 verschoben.

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