Rund 17.000 Einwohner mussten am Sonntag ihre Häuser verlassen und weitere 90.000 wurden angewiesen, in geschlossenen Räumen zu bleiben, nachdem eine defekte Sprinkleranlage im BioLab-Werk für Schwimmbadchemikalien in Conyers im US-Bundesstaat Georgia einen schweren Chemiebrand und eine giftige Schadstoffwolke ausgelöst hatte. Über der rund 40 Kilometer östlich von Atlanta im Rockdale County gelegenen Anlage stieg eine Hunderte Meter hohe Säule aus dunkelorangem, schwarzem und weißem Rauch in den Himmel.

Wie die Feuerwehrchefin von Rockdale County, Marian McDaniel, mitteilte, löste gegen 5:00 Uhr EDT ein defekter Sprinklerkopf in einer Lagerhalle aus und sprühte Wasser direkt auf Paletten mit Trichlorisocyanursäure – einer wasserreaktiven Trockenchemikalie, die als Desinfektions- und Bleichmittel für Schwimmbecken dient. Bei Kontakt mit geringen Mengen Feuchtigkeit zersetzt sich der Stoff exotherm unter starker Hitzeentwicklung und setzt giftiges Chlorgas sowie Chloramindämpfe frei.

Wasserreaktive chemische Zersetzung hüllt Rockdale County in giftige Rauchwolke

Obwohl Einsatzkräfte am frühen Morgen zunächst einen Dachstuhlbrand eindämmen konnten, fachte die fortschreitende chemische Reaktion Stunden später erneut auf. Daraufhin sperrten die Behörden einen elf Kilometer langen Abschnitt der Autobahn Interstate 20 zwischen Salem Road und Turner Hill Road. Alle Bewohner nördlich der I-20 bis zur Grenze von Newton County mussten umgehend evakuiert werden, während den übrigen Einwohnern geraten wurde, Fenster abzudichten und Klimaanlagen abzuschalten.

In den benachbarten Bezirken Newton und Walton wurden Notunterkünfte eingerichtet, während das Krankenhaus Piedmont Rockdale nicht-kritische Patienten verlegte. Unter der kleinen Schichtbelegschaft, die sich zum Zeitpunkt des Sprinklerdefekts auf dem BioLab-Gelände befand, gab es keine Verletzten.

“Unsere oberste Priorität ist es, die Anwohner vor Chlor- und Chloramindämpfen zu schützen, während Luftqualitätsteams der EPA und des Bundesstaates kontinuierlich die chemischen Konzentrationen in ganz Rockdale County messen.”

Luftüberwachung durch die EPA und Kritik an wiederholten Störfällen

Spezialisten der US-Umweltschutzbehörde EPA und der Umweltbehörde von Georgia positionierten mobile Luftmesssensoren rund um das Werksgelände sowie in Windrichtung zum östlichen Ballungsraum Atlanta. Gesundheitsexperten warnten, dass eingeatmete Chlorverbindungen Atemwegsreizungen, brennende Augen und Hustenreiz verursachen können.

Der Vorfall vom Sonntag ist bereits der vierte schwere Chemieunfall im BioLab-Werk in Conyers innerhalb von zwei Jahrzehnten: Nach einem Großbrand im Jahr 2004, bei dem 35.000 Menschen evakuiert werden mussten, hatte im September 2020 eindringendes Regenwasser von Hurrikan Sally eine ähnliche Reaktion von Trichlorisocyanursäure ausgelöst, die Untersuchungen der US-Chemiesicherheitsbehörde CSB nach sich zog.

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