Der Verband der italienischen Film- und Audiovisionsindustrie (ANICA) hat das eindringliche historische Familiendrama „Vermiglio“ von Drehbuchautorin und Regisseurin Maura Delpero als offiziellen Beitrag Italiens für die Kategorie „Bester internationaler Film“ bei den 97. Academy Awards ausgewählt. Nach dem Gewinn des Silbernen Löwen – Großer Preis der Jury bei den 81. Filmfestspielen von Venedig setzte sich Delperos zweiter Kinospielfilm gegen 18 Mitbewerber durch, darunter auch Paolo Sorrentinos „Parthenope“.
Die Handlung von „Vermiglio“ spielt im letzten Kriegswinter 1944 und erstreckt sich über vier Jahreszeiten in dem gleichnamigen, abgeschiedenen Hochgebirgsdorf im norditalienischen Trentino. Im Mittelpunkt steht der strenge, aber bildungsbeflissene Dorflehrer Cesare (gespielt von Tommaso Ragno) und seine kinderreiche Familie, deren fragiles Gefüge aus den Fugen gerät, als der traumatisierte sizilianische Wehrmachts- und Frontdeserteur Pietro im Tal Unterschlupf findet und sich in Cesares älteste Tochter Lucia (Martina Scrinzi) verliebt.
Bildgewaltige Poesie und authentischer Dialekt der Dolomiten
Inspiriert von der Familiengeschichte ihres verstorbenen Vaters entwickelte Delpero das Drehbuch auf Basis monatelanger Gespräche mit Dorfältesten und ließ konsequent im ursprünglichen Trentiner Dialekt drehen. Der renommierte russische Kameramann Michail Kritschman – bekannt durch seine Arbeit mit Andrei Swjaginzew an „Leviathan“ und „Loveless“ – fing die schneebedeckten Gipfel und kerzenbeleuchteten Stuben in gemäldeartigen Tableaus ein, die an Ermanno Olmis Meisterwerk „Der Holzschuhbaum“ erinnern.
Sowohl am Lido von Venedig als auch beim Filmfestival in Toronto würdigte die internationale Kritik, wie subtil „Vermiglio“ die Perspektive des Kriegskinos vom Schlachtfeld auf das stille Schicksal der Mütter, Schwestern und Töchter im ländlichen Raum lenkt.
“Vermiglio fängt die stille Widerstandskraft der Berggemeinschaften und das tiefe emotionale Echo des Krieges auf Frauen und Familien mit außergewöhnlicher visueller Poesie ein.”
Italiens Oscar-Tradition und Chancen im Rennen 2025
Mit 14 regulären Siegen und drei Ehrenpreisen ist Italien die erfolgreichste Nation in der Geschichte des Auslands-Oscars. Erst im vergangenen Jahr hatte Matteo Garrones Flüchtlingsdrama „Ich Capitano“ die Endrunde der besten fünf Filme erreicht.
Für den nordamerikanischen Markt haben sich die Verleiher Sideshow und Janus Films die Rechte an „Vermiglio“ gesichert, die das Werk nun auf dem Weg zur Bekanntgabe der 15 Filme umfassenden Oscar-Shortlist im Dezember begleiten.




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