Nach einer vorläufigen Schätzung des europäischen Statistikamtes Eurostat vom Dienstag ist die jährliche Inflationsrate im Euroraum im September auf 1,8 Prozent gesunken, nach 2,2 Prozent im August. Damit liegt die Teuerung im gemeinsamen Währungsraum erstmals seit Juni 2021 wieder unter dem mittelfristigen Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von exakt zwei Prozent.
Haupttreiber der Verlangsamung waren die Energiekosten, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um kräftige 6,0 Prozent nachgaben. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak stiegen um 2,4 Prozent, während Industriegüter ohne Energie lediglich ein moderates Plus von 0,4 Prozent verzeichneten.
Energiekostenrückgang beschleunigt disinflationären Trend
Die Kerninflation, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie, Lebensmittel und Tabak ausgeklammert werden, sank leicht von 2,8 Prozent im Vormonat auf 2,7 Prozent. Die Teuerung im Dienstleistungssektor ging von 4,1 auf 4,0 Prozent zurück, was auf ein allmähliches Nachlassen des Lohndrucks hindeutet.
Auch in den großen Volkswirtschaften der Währungsunion zeigte sich ein einheitliches Bild. In Deutschland sank die harmonisierte Inflationsrate auf 1,8 Prozent, in Frankreich fiel sie auf 1,5 Prozent und in Spanien auf 1,7 Prozent. Die Daten spiegeln eine nachlassende Binnennachfrage und eine schwächelnde Konjunktur wider.
“The fast retreat in headline inflation below two percent provides compelling confirmation of disinflation, giving the Governing Council greater room to normalize interest rates.” — Eurostat Generaldirektion für Wirtschaftsstatistik
Auswirkungen auf die EZB-Geldpolitik und Zinssenkungserwartungen
Der rasche Rückgang der Gesamtrate erhöht den Druck auf den EZB-Rat vor seiner nächsten Zinsentscheidung am 17. Oktober erheblich. Nachdem die Währungshüter die Leitzinsen bereits im Juni und September gesenkt hatten, wächst der Handlungsspielraum für eine weitere Zinssenkung zur Stützung der Wirtschaft.
An den Finanzmärkten wird eine Senkung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent eingepreist. Ökonomen betonen, dass sich die Priorität der EZB nunmehr von der Inflationsbekämpfung hin zur Vermeidung einer wirtschaftlichen Stagnation verlagert.
Frequently Asked Questions
Wie hoch lag die Inflationsrate der Eurozone im September?
Die jährliche Inflationsrate im Euroraum sank im September 2024 auf 1,8 Prozent.
Rechnen Experten mit einer Zinssenkung der EZB im Oktober?
Die Märkte preisen eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte im Oktober mit über 80% Wahrscheinlichkeit ein.





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