Die Verbraucher im Euroraum haben ihre kurz- und mittelfristigen Inflationserwartungen im August auf den niedrigsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren gesenkt. Dies geht aus dem am Freitag veröffentlichten monatlichen Consumer Expectations Survey der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor, was den Spielraum für eine erneute Zinssenkung auf der Ratssitzung am 17. Oktober deutlich vergrößert.
Die Befragung von rund 19.000 Erwachsenen in elf Euro-Ländern ergab, dass die mittleren Inflationserwartungen für die nächsten zwölf Monate von 2,8 Prozent im Juli auf 2,7 Prozent sanken – der niedrigste Wert seit September 2021. Noch wichtiger für die Frankfurter Währungshüter: Die Erwartungen auf Sicht von drei Jahren gingen von 2,4 Prozent auf 2,3 Prozent zurück und markierten damit den tiefsten Stand seit Februar 2022.
Dreijährige Preiserwartungen der Verbraucher auf tiefstem Stand seit Anfang 2022
Auch die wahrgenommene Teuerung der vergangenen zwölf Monate schwächte sich von 4,1 Prozent im Juli auf 3,9 Prozent ab. Gleichzeitig rechneten die befragten Haushalte mit einem nominalen Einkommensplus von 1,2 Prozent im kommenden Jahr, erwarteten jedoch angesichts der Industrieschwäche in Deutschland und Italien einen wirtschaftlichen Rückgang von 0,9 Prozent.
Die EZB-Umfrage fiel am Freitag mit überraschend deutlichen Inflationsrückgängen in Frankreich und Spanien zusammen. In Frankreich sank die harmonisierte Verbraucherpreisinflation im September von 2,2 Prozent im August auf 1,5 Prozent, während Spaniens Teuerungsrate von 2,4 Prozent auf 1,7 Prozent fiel – womit zwei der vier größten Volkswirtschaften der Eurozone klar unter die Zwei-Prozent-Marke der EZB rutschten.
“Die Verbraucher im Euroraum nehmen nun wahr, dass sich die Inflation sowohl über den Einjahres- als auch über den Dreijahreshorizont stetig dem mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziel des EZB-Rats annähert.” — Bericht zum Consumer Expectations Survey der Europäischen Zentralbank
Inflationsraten unter zwei Prozent in Frankreich und Spanien befeuern Oktober-Wetten
Nachdem die EZB ihren Einlagenzins bereits im Juni und im September um jeweils 25 Basispunkte auf 3,50 Prozent gesenkt hatte, hatten EZB-Präsidentin Christine Lagarde und mehrere Ratsmitglieder zunächst ein vierteljährliches Tempo im Einklang mit neuen Stabsprojektionen signalisiert.
Angesichts der fest verankerten Verbrauchererwartungen, der Inflationsraten unter zwei Prozent in Frankreich und Spanien sowie der schwachen Einkaufsmanagerindizes (PMI) preisen die europäischen Geldmärkte nun jedoch mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent eine weitere Senkung um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent im Oktober ein.
Frequently Asked Questions
Was ergab die EZB-Verbraucherumfrage für die dreijährigen Inflationserwartungen?
Die mittleren Inflationserwartungen der Verbraucher auf Sicht von drei Jahren sanken im August von 2,4 Prozent im Juli auf 2,3 Prozent und erreichten damit den niedrigsten Stand seit Februar 2022.
Warum setzen die Finanzmärkte verstärkt auf eine EZB-Zinssenkung im Oktober?
Der kräftige Inflationsrückgang in Frankreich (1,5 %) und Spanien (1,7 %), sinkende Preiserwartungen der Haushalte und schwache Konjunkturdaten im Euroraum sprechen für eine raschere Lockerung der Geldpolitik.




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