Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tritt am Donnerstag zu ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung zusammen. An den Finanzmärkten und in der Schweizer Industrie wird fest mit der dritten Zinssenkung in Folge gerechnet. Die Notenbank steht unter hohem Druck, der massiven Aufwertung des Schweizer Frankens entgegenzuwirken, der gegenüber Euro und Dollar neue Höchststände markiert hat.

Da die Teuerung in der Schweiz im August bei moderaten 1,1 Prozent verharrte und damit solide im SNB-Zielband von 0 bis 2 Prozent liegt, gehen die meisten Bankvolkswirte von einer Senkung des SNB-Leitzinses um 25 Basispunkte von 1,25 auf 1,00 Prozent aus. Einige Institute halten sogar einen großen Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt für denkbar.

Frankenstärke belastet Schweizer Maschinen- und Uhrenindustrie

Die anhaltende Nachfrage nach dem Franken als sicherem Hafen im Zuge politischer Turbulenzen in Frankreich und kriegerischer Eskalationen im Nahen Osten setzt den exportorientierten Betrieben der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie den Uhrenmanufakturen massiv zu.

Der Branchenverband Swissmem warnte kürzlich, dass rund ein Drittel der Mitgliedsfirmen aufgrund der widrigen Wechselkursrelationen bereits in die Verlustzone gerutscht sei. Die Industrievertreter forderten die Nationalbank auf, bei Bedarf auch wieder mit Devisenmarktinterventionen gegen eine übermäßige Frankenstärke vorzugehen.

“Der starke Franken stellt unsere Exportwirtschaft vor große Herausforderungen. Wir beobachten die Lage genau und sind bereit, am Devisenmarkt aktiv zu werden.”

Abschied von Thomas Jordan und Amtsübergabe an Martin Schlegel

Der Zinsentscheid am Donnerstag besitzt historische Tragweite: Es ist die letzte Lagebeurteilung unter der Führung von Thomas Jordan. Er tritt nach mehr als zwölf Jahren an der SNB-Spitze ab, in denen er Negativzinsen, den Frankenschock von 2015 und die Notübernahme der Credit Suisse managte.

Am 1. Oktober übernimmt der bisherige Vizepräsident Martin Schlegel das Ruder. Analysten erwarten, dass auch unter neuer Führung die bewährte pragmatische Linie fortgesetzt wird, um Preisstabilität zu gewährleisten und die Belastungen durch den Fluchtwährungsstatus des Frankens einzudämmen.

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