Angesichts eines drohenden Stillstands im US-Überseehandel hat der Arbeitgeberverband United States Maritime Alliance (USMX) am Sonntag eine formelle Beschwerde beim National Labor Relations Board (NLRB) gegen die Gewerkschaft International Longshoremen's Association (ILA) eingereicht. Ziel des juristischen Vorstoßes ist es, die Gewerkschaftsführung vor Ablauf des aktuellen Tarifvertrags am 1. Oktober um Mitternacht an den Verhandlungstisch zurückzuzwingen.
Sollte keine Einigung erzielt werden, wollen ab Dienstag etwa 45.000 Hafenarbeiter in 36 wichtigen Seehäfen entlang der Atlantik- und Golfküste die Arbeit niederlegen. Die betroffenen Terminals wickeln mehr als die Hälfte des gesamten containerisierten Im- und Exports der USA ab. Es wäre der erste flächendeckende Küstenstreik seit 1977.
Streit um Löhne und Automatisierungsverbote blockiert Gesamttarifvertrag
Die Verhandlungen über einen neuen Sechsjahresvertrag sind an zwei zentralen Knackpunkten festgefahren: den Gehaltsforderungen und dem Einsatz automatisierter Technologie. Die ILA unter Verhandlungsführer Harold Daggett verlangt Gehaltssteigerungen von über 70 Prozent zum Ausgleich der Inflation sowie ein vertraglich garantiertes, ausnahmsloses Verbot automatisierter Kransysteme.
Die USMX, die internationale Reedereien und Terminalbetreiber vertritt, hatte Lohnsteigerungen von nahezu 40 Prozent sowie den Erhalt bestehender Schutzregeln angeboten. Dennoch wurden die Gespräche abgebrochen, nachdem die Gewerkschaft den Betreibern vorwarf, am Hafen von Mobile eigenmächtig automatisierte Erfassungstore installiert zu haben.
“Wir haben unsere Bereitschaft zu substanziellen Lohnverbesserungen und zum Erhalt des Automatisierungsschutzes bewiesen, doch die wiederholte Verhandlungsverweigerung der Gewerkschaft gefährdet die Lieferketten massiv.” — Vorstand der United States Maritime Alliance
Drohende Milliardenschäden und Druck auf das Weiße Haus
Ökonomen schätzen, dass ein Ausstand an der Ost- und Golfküste die amerikanische Wirtschaft täglich zwischen einer und fünf Milliarden Dollar kosten könnte. Vor allem der Einzelhandel, der seine Warenlager für das Weihnachtsgeschäft füllen muss, sowie die Automobil- und Landwirtschaftsbranche befürchten dramatische Lieferausfälle.
Wirtschaftsverbände haben die US-Regierung aufgefordert, das Taft-Hartley-Gesetz von 1947 anzuwenden, das dem Präsidenten die Anordnung einer 80-tägigen Schlichtungs- und Abkühlphase erlaubt. Bislang zögert das Weiße Haus jedoch mit einem Eingriff und verweist darauf, dass die Tarifpartner den Konflikt eigenständig lösen müssen.
Frequently Asked Questions
Warum hat die USMX Beschwerde bei der NLRB eingelegt?
Der Verband wirft der Gewerkschaft vor, sich unrechtmäßig geweigert zu haben, rechtzeitig vor Vertragsende Tarifverhandlungen zu führen.
Welche Häfen wären vom Ausstand betroffen?
Betroffen sind 36 Häfen an der Atlantik- und Golfküste, darunter Schlüsselstandorte wie New York/New Jersey, Savannah, Houston und Charleston.





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