Die US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (NHTSA) hat eine offizielle Sicherheitsuntersuchung eingeleitet, die rund 2,4 Millionen Tesla-Fahrzeuge mit der Software 'Full Self-Driving' (FSD) umfasst. Das Büro für Mängeluntersuchungen der Behörde reagierte damit auf vier dokumentierte Unfälle, bei denen Fahrzeuge mit aktiviertem FSD-System bei drastisch reduzierter Sichtweite mit Hindernissen kollidierten.

Laut den am Freitag veröffentlichten Behördenunterlagen forderte einer der vier Vorfälle ein Todesopfer: Im Ort Rimrock im Bundesstaat Arizona erfasste ein mit FSD gesteuertes Tesla Model Y aus dem Jahr 2021 einen Fußgänger, der die Fahrbahn überquerte. Bei einem weiteren Unfall gab es Verletzte, während zwei weitere Kollisionen zu erheblichen Sachschäden an den Fahrzeugen führten.

Bundesuntersuchung nach tödlichem Unfall eines Fußgängers

Die Untersuchung erstreckt sich auf praktisch alle zwischen 2016 und 2024 gebauten Tesla-Modelle, die über die entsprechende Hardware verfügen, darunter die Baureihen Model S, Model X, Model 3, Model Y sowie der neue Cybertruck des Modelljahrs 2024. Es handelt sich um eines der umfangreichsten Prüfverfahren für Fahrassistenzsysteme in den Vereinigten Staaten.

Die Ermittler konzentrieren sich vor allem auf die physikalischen Grenzen von Teslas kamerabasierter Sensorarchitektur. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Waymo oder Cruise, die auf ein redundantes Zusammenspiel von Lidar, Radar und Kameras setzen, verzichtet Tesla seit 2021 vollständig auf Radarsensoren und verlässt sich ausschließlich auf Bilddaten und künstliche neuronale Netze.

“NHTSA will assess the timing and methods with which FSD detects and responds appropriately to reduced roadway visibility conditions, including sun glare, fog, and airborne dust.”

Kritik an Teslas Verzicht auf Lidar und Radar zugunsten reiner Kameras

Die Behörde kündigte an, zu prüfen, ob sich weitere ähnliche Unfälle ereignet haben, und will zudem Software-Updates analysieren, die Tesla möglicherweise aufgespielt hat, um das Fahrverhalten bei schlechter Sicht nachträglich anzupassen. Es soll geklärt werden, ob das System den Fahrer rechtzeitig warnt und auffordert, das Steuer zu übernehmen.

Die Untersuchung trifft Tesla in einer heiklen Phase. Vorstandschef Elon Musk hatte erst kürzlich das fahrerlose 'Cybercab' vorgestellt und angekündigt, im kommenden Jahr in Texas und Kalifornien völlig unbeaufsichtigtes Fahren anbieten zu wollen. Sollte die NHTSA ein untragbares Sicherheitsrisiko feststellen, könnte ein flächendeckender Rückruf angeordnet werden.

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