Archäologen des französischen Instituts für präventive archäologische Forschung (Inrap) haben in der Bretagne die Überreste eines monumentalen zeremoniellen Heiligtums aus dem Neolithikum freigelegt. Die Kultanlage aus der Zeit um 4000 v. Chr. gewährt faszinierende Einblicke in die Gedankenwelt, Glaubenspraktiken und soziale Organisation früher Ackerbauern vor sechstausend Jahren.

Die Grabungskampagne brachte weitreichende Pfostengruben zutage, in denen einst mächtige Holzstämme verankert waren, die sakrale Avale von mehreren Hektar Fläche einfassten. Magnetometrische Untersuchungen zeigen, dass die Pfostenreihen präzise nach den Sonnenwenden ausgerichtet waren, was spätere megalithische Steinreihen wie in Carnac vorwegnahm.

Monumentale Holzarchitektur vor dem Aufkommen großer Steinreihen

In den umgebenden Gräben entdeckten die Forscher ein reichhaltiges Spektrum an rituellen Gaben. Zu den kostbarsten Fundstücken zählen geschliffene Prunkäxte aus alpinem Jadeit und iberischem Dolerit, die ein reges Fernhandelssystem für Prestigeobjekte über tausende Kilometer hinweg bezeugen.

Zudem sicherten die Ausgräber aufwendig verzierte Tongefäße mit feinen Ritzmustern. Chemische Rückstandsanalysen wiesen Spuren von tierischen Fetten und Milchprodukten nach, die auf gemeinschaftliche rituelle Festmähler hindeuten.

“This discovery reshapes our understanding of monumental ceremonial architecture in Neolithic western Europe, revealing sophisticated ritual organization six thousand years ago.” — Dominique Garcia, Präsident des Inrap

Votivgaben belegen europaweite Fernhandelsbeziehungen

Paläoökologische Untersuchungen belegen, dass die Anlage auf einem weithin sichtbaren Plateau über Flusstälern errichtet wurde. Die erforderlichen Holzeinschlags- und Erdbewegungsarbeiten lassen auf eine hierarchisch strukturierte Gemeinschaft schließen, die über lange Zeiträume hunderte Arbeitskräfte bündeln konnte.

Das Inrap plant nun fotogrammetrische 3D-Rekonstruktionen und detaillierte Radiokarbondatierungen, bevor die herausragenden Funde in regionalen Museen dauerhaft für die Öffentlichkeit ausgestellt werden.

Frequently Asked Questions

Wie alt ist die neu entdeckte Kultstätte in der Bretagne?

Die Kultanlage wird auf die Zeit um 4000 v. Chr. datiert und ist damit rund 6.000 Jahre alt.

Welche Artefakte wurden bei der Grabung entdeckt?

Gefunden wurden polierte Äxte aus Alpen-Jadeit, astronomisch ausgerichtete Pfostensetzungen und verzierte Keramiken ritueller Feste.

Sources