Die Europäische Umweltagentur (EUA) mit Sitz in Kopenhagen hat einen alarmierenden Lagebericht vorgelegt: Durch das Zusammenspiel von beschleunigtem Meeresspiegelanstieg und übermäßiger Grundwasserentnahme dringt zunehmend Meerwasser in Europas Küstenaquifere ein. Das Phänomen gefährdet die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen sowie die Ertragsfähigkeit fruchtbarer Agrarflächen entlang des Mittelmeers, der Ostsee und der Nordsee.

Hydrologische Messungen belegen, dass Jahrzehnte intensiver landwirtschaftlicher Feldbewässerung – verstärkt durch Hitzewellen und Dürreperioden – die Grundwasserspiegel kontinuierlich unter das hydrostatische Gleichgewicht gedrückt haben. Wo der Druck des Süßwassers nachlässt, strömt das schwerere Salzwasser nach und kontaminiert unterirdische Gesteinsschichten.

Kombination aus Meeresspiegelanstieg und landwirtschaftlicher Übernutzung

Am dramatischsten stellt sich die Situation im Mittelmeerraum dar. In den spanischen Citrusanbaugebieten, im Po-Delta in Italien und auf den Agrarflächen Griechenlands sind unzählige Brunnen aufgrund extrem hoher Chloridwerte für die traditionelle Bewässerung unbrauchbar geworden. Auch in den Niederlanden und dänischen Küstenregionen wächst der Salzgehalt im Boden.

Über die Landwirtschaft hinaus leiden die Küstenstädte, wo der sommerliche Massentourismus den Wasserbedarf explodieren lässt. Kommunen sehen sich zunehmend gezwungen, auf kostspielige und energieintensive Meerwasserentsalzungsanlagen umzustellen.

“Coastal aquifers provide essential drinking water and agricultural irrigation for millions of Europeans. Unchecked salinization threatens to render fertile coastal farmland unproductive within decades.” — Leena Ylä-Mononen, Executive Director of the European Environment Agency

Strategien zur Grundwasseranreicherung und nachhaltigen Wasserbewirtschaftung

Um ein irreversibles Umkippen der Küstenökosysteme abzuwenden, fordert die EUA die EU-Mitgliedsstaaten auf, verbindliche Entnahmekontingente durchzusetzen und die künstliche Anreicherung von Grundwasserleitern (Managed Aquifer Recharge) durch gereinigtes Abwasser und winterliche Niederschläge auszubauen.

Wissenschaftler plädieren zudem für den raschen Umstieg auf salztolerantere Nutzpflanzensorten und moderne Tröpfchenbewässerungssysteme, um die europäischen Küstenregionen vor den Folgen der fortschreitenden unterirdischen Meeresausbreitung zu schützen.

Frequently Asked Questions

Was verursacht die Versalzung der Küstengrundwasservorkommen?

Der klimabedingte Meeresspiegelanstieg und die gleichzeitige übermäßige Grundwasserentnahme durch Landwirtschaft und Tourismus.

Welche Regionen Europas sind am stärksten bedroht?

Vor allem die Mittelmeerländer Spanien, Italien und Griechenland sowie tiefliegende Küstengebiete in den Niederlanden und Dänemark.

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