Das Nationale Institut für Statistik und Volkszählung (INDEC) in Argentinien hat bekannt gegeben, dass die städtische Armutsquote im ersten Halbjahr 2024 auf 52,9 % gestiegen ist – den höchsten Stand seit der schweren Wirtschaftskrise von 2001/2002. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2023 (41,7 %) bedeutet dies einen Anstieg um 11,2 Prozentpunkte, wovon hochgerechnet fast 25 Millionen Argentinier betroffen sind.

Besonders drastisch fiel der Anstieg der extremen Armut (Indigenz) aus, die Haushalte erfasst, deren Einkommen nicht einmal für den grundlegenden Lebensmittelwarenkorb reicht. Dieser Wert kletterte von 11,9 % Ende 2023 auf 18,1 % im ersten Halbjahr 2024.

Kaufkraftverlust und steigende extreme Armut in den Städten

Die Zahlen spiegeln die unmittelbaren sozialen Kosten der Peso-Abwertung um mehr als 50 % im Dezember 2023, des Abbaus von Preiskontrollen und Energiesubventionen sowie der monatlichen Inflationsspitzen von 25,5 % im Dezember und 20,6 % im Januar wider. Im ersten Quartal stiegen die Lebensmittelpreise deutlich schneller als Löhne und Renten.

Laut INDEC-Bericht sind Kinder besonders stark betroffen: 66,1 % der unter 14-Jährigen lebten im ersten Halbjahr unterhalb der Armutsgrenze, davon 27,0 % in extremer Armut. Im Nordosten des Landes erreichte die Armutsquote sogar 62,9 %, verglichen mit 39,1 % in Patagonien.

“Die Regierung hat eine katastrophale Hyperinflationsspirale geerbt; ohne unsere entschlossene Haushaltskonsolidierung im Dezember wäre die Armut noch weit stärker explodiert.”

Fiskalische Verteidigung der Regierung und sinkende Inflation

Präsidialsprecher Manuel Adorni betonte in der Casa Rosada, der Halbjahresdurchschnitt verdecke die im zweiten Quartal eingesetzte Erholung, als die monatliche Inflation Richtung 4 % sank und Sozialleistungen wie das Kindergeld (AUH) sowie die Lebensmittelkarte Tarjeta Alimentar deutlich angehoben wurden.

Ökonomen der Katholischen Universität Argentiniens (UCA) wiesen darauf hin, dass die Armutsquote zwar von rund 55 % im ersten Quartal auf etwa 51 % im zweiten Quartal zurückging, eine nachhaltige Senkung unter 40 % jedoch Wirtschaftswachstum und formelle Arbeitsplätze erfordert.

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