Der Wasserstand des Rio Negro, eines der größten Nebenflüsse des Amazonas, ist am Hafen der Millionenstadt Manaus auf den historischen Tiefstwert von 12,66 Metern gesunken. Damit wurde der erst im Oktober 2023 aufgestellte Negativrekord von 12,70 Metern nochmals unterboten. Nach Angaben der Hafenbehörde ist dies der niedrigste Stand seit Beginn der systematischen Messungen vor 122 Jahren im Jahr 1902.
Im gesamten brasilianischen Amazonasbecken führen auch andere Hauptwasserstraßen wie der Rio Solimões und der Rio Madeira nach monatelanger Regenarmut extremes Niedrigwasser. Wo sonst große Frachtschiffe verkehren, erstrecken sich heute kilometerweite Sandbänke und ausgetrocknete Schlammflächen, auf denen zahllose Passagierboote festsitzen.
Beispiellose hydrologische Krise im gesamten Amazonasbecken
Klimawissenschaftler führen die zwei aufeinanderfolgenden Jahrhundertdürren auf das Zusammenspiel einer ungewöhnlich starken Erwärmung des tropischen Nordatlantiks und die Nachwirkungen des Wetterphänomens El Niño zurück. Hohe Temperaturen beschleunigen die Verdunstung und verhindern die Bildung ergiebiger Regenwolken über dem Regenwald.
Für die aquatischen Ökosysteme hat der Wassermangel verheerende Folgen. In den flachen, stehenden Restgewässern steigen die Wassertemperaturen drastisch an, während der Sauerstoffgehalt sinkt. Dies bedroht die vom Aussterben bedrohten Amazonas-Flussdelfine ebenso wie die Fischbestände, die als Lebensgrundlage der Uferbevölkerung dienen.
“Diese Dürre stellt die schwerste hydrologische Krise in über einem Jahrhundert dar; sie legt die Schifffahrt lahm und schneidet isolierte Flussgemeinden ab.” — Geologischer Dienst Brasiliens (SGB-CPRM)
Lieferkettenkollaps und humanitäre Notlage in Nordbrasilien
Für die zwei Millionen Einwohner von Manaus und die dortige Freihandelszone führt das Niedrigwasser zu gravierenden Versorgungsengpässen. Containerschiffe mit Elektronikbauteilen, Treibstoff und Lebensmitteln müssen ihre Fahrt abbrechen oder die Fracht mühsam auf kleinere Leichter umladen, was die Transportkosten in die Höhe treibt.
Der Zivilschutz hat für alle 62 Gemeinden des Bundesstaates Amazonas den Notstand ausgerufen. Mit Hubschraubern und Flachwasserbooten werden Lebensmittelpakete, Trinkwasserfilter und Medikamente in abgeschnittene indigene Dörfer gebracht. Meteorologen warnen, dass die Pegel bis zum Einsetzen der Regenzeit im November weiter sinken könnten.
Frequently Asked Questions
Welcher historische Tiefststand wurde am Rio Negro in Manaus gemessen?
Der Pegel sank am Hafen von Manaus auf 12,66 Meter – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1902.
Welche Auswirkungen hat die Dürre auf Wirtschaft und Bevölkerung?
Die Containerschifffahrt zum Industriezentrum Manaus ist weitgehend blockiert und Hunderte Flussdörfer sind von Trinkwasser und Lebensmitteln abgeschnitten.





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