Die Schweizerische Nationalbank (SNB) in Bern bereitet sich auf die vierteljährliche geldpolitische Lagebeurteilung am Donnerstag vor, die zugleich das feierliche Finale für Thomas Jordan darstellt. Nach zwölf Jahren an der Spitze des dreiköpfigen Direktoriums leitet der 61-jährige Ökonom seinen letzten offiziellen Zinsentscheid. An den Finanzplätzen Zürich und London geht die klare Mehrheit der Marktteilnehmer von einer Senkung des SNB-Leitzinses um 25 Basispunkte auf 1,00 Prozent aus.

Treiber der Zinsfantasien ist die anhaltende Höhenflug des Schweizer Frankens. Die Währung wertete über die Sommermonate gegenüber dem Euro und dem US-Dollar kräftig auf. Zwar schützte der harte Franken die Schweiz in den Jahren 2022 und 2023 vor der internationalen Teuerungswelle, doch mittlerweile belastet die Überbewertung die hiesige Exportindustrie, insbesondere den Maschinenbau, die Uhrenhersteller und die Chemiebranche.

Frankenstärke dämpfen und importierter Deflation vorbeugen

Die Teuerung in der Schweiz sank im August auf 1,1 Prozent und verharrt seit nunmehr 15 Monaten innerhalb des von der SNB definierten Zielbereichs für Preisstabilität von 0 bis 2 Prozent. Da die Kerninflation lediglich bei 1,0 Prozent liegt, wächst im Direktorium die Sorge vor importierter Deflation und einer spürbaren konjunkturellen Abkühlung.

Die SNB hatte die internationalen Märkte bereits im März 2024 überrascht, als sie als erste westliche Notenbank die Zinswende einleitete. Ökonomen erwarten, dass Jordan diesen lockeren Kurs bekräftigen und die Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt unterstreichen wird, um spekulativen Aufwertungsdruck abzufedern.

“Die Preisstabilität bleibt unser wichtigster Anker. Dass der Schweizer Franken angemessen tariert ist, um unsere Exportwirtschaft vor importierter Deflation zu bewahren, hat jede Entscheidung während meiner gesamten Amtszeit geleitet.”

Zwölf Jahre Krisenmanagement und reibungslose Amtsübergabe

Mit Jordans Rücktritt per Ende September endet eine außergewöhnliche Ära im Schweizer Notenbankwesen. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 navigierte Jordan die SNB durch historische Weichenstellungen: die dramatische Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken im Januar 2015, die Ära der Negativzinsen von minus 0,75 Prozent und die Notrettung der Credit Suisse im Frühjahr 2023.

Für institutionelle Kontinuität ist gesorgt. Der bisherige Vizepräsident Martin Schlegel, der seit vielen Jahren eng mit Jordan zusammenarbeitet, übernimmt am 1. Oktober die Führung der Nationalbank. Analysten rechnen damit, dass Schlegel den bewährten, unabhängigen und stabilitätsorientierten Kurs der SNB nahtlos fortführen wird.

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