Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am Donnerstag ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,00 Prozent gesenkt. Es handelt sich um die dritte geldpolitische Lockerung der Notenbank im laufenden Jahr. Der Zinsentscheid bildete den feierlichen Schlusspunkt der zwölfjährigen Amtszeit von Notenbankpräsident Thomas Jordan, der die Schweizer Währungshüter durch Phasen von Negativzinsen, Deviseninterventionen und die historische Credit-Suisse-Notübernahme steuerte.

In ihrer Lagebeurteilung betonte die Notenbank, dass der Inflationsdruck in der Schweiz über die Sommermonate spürbar nachgelassen habe. Im August lag die Jahresteuerung bei nur noch 1,1 Prozent und damit sicher innerhalb des Zielbandes von 0 bis 2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2025 prognostiziert die SNB eine Teuerung von lediglich 0,6 Prozent.

Dritte Zinssenkung des Jahres dämpft Franken-Stärke und Deflationsrisiken

Ein maßgeblicher Treiber für den Zinsschritt war die anhaltende Stärke des Schweizer Frankens. Die Währung hatte angesichts globaler geopolitischer Unsicherheiten gegenüber dem Euro und dem US-Dollar kräftig aufgewertet. Für die exportorientierte Schweizer Industrie – insbesondere Maschinenbau, Uhrenindustrie und Chemiebranche – verteuerte der starke Franken die Wettbewerbsfähigkeit auf den Auslandsmärkten empfindlich.

Die SNB bekräftigte ihre Bereitschaft, bei Bedarf an den Devisenmärkten zu intervenieren, um eine unerwünschte Überbewertung des Frankens abzuwehren. Die Zinssenkung verringert den Zinsabstand zu den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Fed, was spekulative Kapitalzuflüsse in den Franken verringert.

“Der Inflationsdruck in der Schweiz hat gegenüber dem Vorquartal nochmals deutlich abgenommen. Mit unserer Zinssenkung tragen wir diesem Nachlassen Rechnung und stellen angemessene monetäre Bedingungen sicher.”

Thomas Jordans Vermächtnis und der Übergang zu Martin Schlegel

Der Zinsentscheid markiert einen historischen Moment für Thomas Jordan, der 2007 ins SNB-Direktorium berufen wurde und ab 2012 als dessen Präsident amtierte. Jordan prägte epochale Ereignisse wie die Aufhebung des Mindestkurses zum Euro im Januar 2015, die jahrelange Negativzinspolitik und die Rettung von Credit Suisse durch die UBS im Frühjahr 2023.

Ab dem 1. Oktober übernimmt der bisherige Vizepräsident Martin Schlegel das Ruder bei der SNB. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Notenbank ihren expansiven Kurs beibehalten könnte und bei anhaltend niedrigem Teuerungsdruck im Dezember eine weitere Zinssenkung auf 0,75 Prozent beschließen wird.

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