Der geldpolitische Ausschuss der brasilianischen Zentralbank (Copom) hat am Dienstag einstimmig beschlossen, den Leitzins Selic um 25 Basispunkte auf 10,75% anzuheben. Damit schlägt die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas einen restriktiven Sonderweg ein und entkoppelt sich bewusst von der Zinswende der US-Notenbank Federal Reserve.
In ihrer Begründung verwiesen die Währungshüter auf den spürbar überhitzten Arbeitsmarkt, anhaltende Preisschübe im Dienstleistungssektor und die Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen oberhalb des offiziellen Zielwerts von 3% verfestigen. Das einstimmige Votum aller neun Ratsmitglieder unterstrich die institutionelle Geschlossenheit des Gremiums.
Gegen den Trend: Zinserhöhung Gegen Binnenüberhitzung
Brasiliens Wirtschaftsleistung überraschte im laufenden Jahr wiederholt positiv. Staatliche Transferzahlungen und reger Konsum drückten die Arbeitslosigkeit auf 6,8% – den niedrigsten Stand seit fast einem Jahrzehnt. Die daraus resultierende Lohn- und Nachfragedynamik trieb jedoch die Dienstleistungspreise nach oben.
Hinzu kam der Währungsverfall des brasilianischen Real, der seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar um mehr als 10% nachgab. Eine schwächere Landeswährung verteuert Vorleistungsgüter wie Düngemittel, Industriemaschinen und Kraftstoffe.
“Der Ausschuss kam einstimmig zu dem Schluss, dass das gegenwärtige Umfeld mit hoher Kapazitätsauslastung und Arbeitsmarktdruck eine restriktivere Zinspolitik verlangt.”
Vollbeschäftigung, Währungsdruck und Haushaltsdisziplin
Marktbeobachter werteten den Zinsentscheid als klares Bekenntnis zur geldpolitischen Unabhängigkeit der Zentralbank, die damit den Inflationsdruck dämpfen und das Vertrauen internationaler Investoren sichern will.
Für die kommenden Sitzungen rechnen Volkswirte mit weiteren Zinsschritten nach oben, sollte die Regierung von Präsident Lula da Silva ihre Haushaltsdefizite nicht wirksam eindämmen.




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