Die spanische Zentralbank (Banco de España) hat am Dienstag ihre Konjunkturprognose für das Gesamtjahr 2024 kräftig nach oben korrigiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes soll demnach um 2,8% zulegen – ein halber Prozentpunkt mehr als in der vorangegangenen Projektion von 2,3%. Damit zementiert Spanien seine Rolle als wachstumsstärkste Volkswirtschaft unter den großen Euro-Mitgliedsstaaten.

Im vierteljährlichen makroökonomischen Ausblick begründete die Notenbank den Aufschwung mit der unerwartet dynamischen Entwicklung im zweiten Quartal (+0,8%), getragen von stabiler privater Konsumnachfrage und einem anhaltenden Beschäftigungsrekord von über 21,6 Millionen Erwerbstätigen.

Wachstumsvorsprung Gegenüber Europäischen Industriestaaten

Besonders hervorgehoben wurde der Strukturwandel der spanischen Exportwirtschaft. Längst beruht der Leistungsbilanzüberschuss nicht mehr allein auf dem klassischen Ferientourismus: Hochqualifizierte nicht-touristische Dienstleistungen wie Softwareentwicklung, Ingenieurberatung und Finanzdienstleistungen trugen fast die Hälfte zum Exportüberschuss bei.

Eine spürbare Stütze bildet zudem die Zuwanderung aus Lateinamerika. Die Ausweitung des Arbeitskräfteangebots half spanischen Betrieben in Gastronomie, Logistik, Baugewerbe und Pflegewirtschaft, offene Stellen rasch zu besetzen, ohne eine Lohn-Preis-Spirale anzufachen.

“Spaniens wirtschaftliche Resilienz belegt, dass die breitere Diversifizierung unserer Exporte und ein solider Arbeitsmarkt uns vor der europäischen Stagnation abschirmen.”

Arbeitskräftezuzug, Exportdiversifizierung und Schuldenlast

Bei der Preisentwicklung rechnet die Zentralbank mit einer weiteren Beruhigung. Die Inflationsrate dürfte dank gesunkener Energiekosten und der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank bis zum vierten Quartal auf rund 2,9% fallen.

Gleichwohl mahnten die Währungshüter vor strukturellen Risiken. Mit einer Staatsverschuldung von rund 105% des BIP steht Madrid angesichts der reaktivierten EU-Schuldenregeln unter haushaltspolitischem Konsolidierungsdruck, während die privaten Unternehmensinvestitionen in Maschinenparks weiterhin hinterherhinken.

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