Die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) hat am Mittwoch die finale Phase der Verhandlungen zur Übernahme des Leverkusener Spezialchemieherstellers Covestro AG erreicht. Das DAX-Unternehmen wird dabei inklusive übernommener Nettofinanzschulden mit rund 14,7 Milliarden Euro bewertet.

Im Rahmen der ausgehandelten Eckpunkte beabsichtigt ADNOC, den Aktionären ein Barangebot von 62 Euro je Aktie zu unterbreiten. Dem Beschluss gingen mehr als einjährige intensive Buchprüfungen und Konsultationen der Chefetagen in Abu Dhabi und Leverkusen voraus.

Strategischer Vorstoß in Hochleistungspolymere und Kreislaufwirtschaft

Die Transaktion stellt die bisher größte Übernahme eines europäischen Industrieunternehmens durch einen Staatskonzern aus der Golfregion dar. Sie unterstreicht ADNOCs Strategie, die Wertschöpfungskette von der reinen Öl- und Gasförderung hin zu zukunftsträchtigen Hightech-Polymeren zu verschieben.

Vorstand und Aufsichtsrat von Covestro signalisierten bereits ihre Unterstützung für die Transaktion und stellten in Aussicht, die Annahme des Angebots nach formeller Prüfung der Angebotsunterlage zu empfehlen.

“Diese Partnerschaft ist ein Meilenstein für die Ausrichtung unseres Chemiegeschäfts. Gemeinsam mit der herausragenden Innovationskraft von Covestro formen wir einen globalen Spitzenreiter für Hochleistungsmaterialien.”

Standortgarantien für Leverkusen und 1,17 Milliarden Euro frisches Eigenkapital

Als wesentlichen Baustein der Einigung sagten die Emire zu, unmittelbar nach Vollzug des Deals eine Kapitalerhöhung um zehn Prozent bzw. 1,17 Milliarden Euro zu zeichnen, um Covestros Transformationsprogramm hin zur klimaneutralen Kreislaufwirtschaft finanziell abzusichern.

Um Bedenken der Gewerkschaften und der Belegschaft auszuräumen, schloss ADNOC umfassende Vereinbarungen: Der Hauptsitz bleibt in Leverkusen, bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge werden respektiert und die deutsche Unternehmensmitbestimmung bleibt bis mindestens Ende 2028 unangetastet.

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