Der Preisdruck in Spanien hat im September spürbar nachgelassen und ist erstmals seit 15 Monaten wieder unter die offizielle Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent gefallen. Wie das spanische Statistikamt INE am Freitagmorgen in einer vorläufigen Schätzung mitteilte, lag der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Jahresvergleich bei nur noch 1,7 Prozent, nach 2,4 Prozent im August.

Auf nationaler Ebene fiel die Jahresinflationsrate von 2,3 Prozent im Vormonat auf 1,5 Prozent, während die Verbraucherpreise im Monatsvergleich um 0,6 Prozent nachgaben. Die unerwartet deutliche Abkühlung der Teuerung wurde vor allem durch sinkende Preise für Kraftstoffe an den Tankstellen und günstigere Strompreise im Großhandel ausgelöst, die im Vorjahresmonat noch kräftig zugelegt hatten.

Kräftige Energiedisinflation Drückt den Preisindex

Auch die Kerninflationsrate, welche die schwankungsanfälligen Preise für unverarbeitete Nahrungsmittel und Energie ausklammert, gab weiter nach und sank von 2,7 Prozent im August auf 2,4 Prozent im September. Dies signalisiert, dass der sekundäre Preisauftrieb im Dienstleistungssektor und im Gastgewerbe nach dem Ende der sommerlichen Hochsaison allmählich abebbt.

Der spanische Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo begrüßte die Veröffentlichung und betonte, dass der Rückgang der Energiekosten die Realkaufkraft der privaten Haushalte stärke und die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Industrie im europäischen Binnenmarkt festige. Spanien verzeichnet weiterhin ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig vorbildlicher Inflationsentwicklung.

“Die spanische Inflation ist unter 2 Prozent gefallen. Das bestätigt den Erfolg unserer wirtschaftlichen Maßnahmen und bringt eine spürbare Entlastung der Kaufkraft der Familien.”

Auswirkungen auf die Eurozone und EZB-Zinsausblick für Oktober

Die Daten aus Madrid haben beträchtliche Signalwirkung für den gesamten Euroraum, da sie als verlässlicher Frühindikator für die aggregate Inflationsrate der Währungsunion gelten. Zusammen mit ähnlich schwachen Preisdaten aus Frankreich deutet sich an, dass die Teuerung in Südwesteuropa rascher abklingt als von den Währungshütern in Frankfurt prognostiziert.

An den Zinsmärkten reagierten Investoren umgehend: Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB auf ihrer nächsten Zinssitzung am 17. Oktober den Einlagensatz um weitere 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent senken wird, sprang auf über 80 Prozent. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Industrieschwäche in Deutschland mehren sich die Stimmen, die vor einer zu zögerlichen Zinspolitik der Notenbank warnen.

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