Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat eine alarmierende globale Bilanz zur biologischen Vielfalt in Binnengewässern vorgelegt: Rund ein Viertel aller weltweit untersuchten Süßwasserfischarten ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Die umfassende wissenschaftliche Erhebung belegt, wie die fortschreitende Erderwärmung, steigende Wassertemperaturen und die Zerstörung von Lebensräumen die aquatischen Ökosysteme in Europa, Amerika und Asien an den Rand des Kollapses bringen.
Gestützt auf Daten der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN identifizieren die Forscher den thermischen Wandel als zentralen Treiber des Bestandsrückgangs. Wenn sich Flüsse und Seen aufheizen, sinkt der Gehalt an gelöstem Sauerstoff im Wasser erheblich, während kaltwasserangepasste Arten wie Lachse, Forellen und Störe an ihre physiologischen Belastungsgrenzen stoßen.
Thermischer Stress und Zerschneidung der Fließgewässer
Neben der Klimaerwärmung setzt die physische Fragmentierung der Flussläufe den Beständen massiv zu. Tausende Wasserkraftwerke, Wehre und Staudämme unterbrechen überlebenswichtige Wanderkorridore und verwehren den Fischen während sommerlicher Hitzewellen den Rückzug in kühlere Quellgebiete oder Laichgründe.
Gleichzeitig verringert die massive Wasserentnahme für Industrie und intensive Landwirtschaft die Mindestwassermengen in den Flüssen, wodurch sich Pestizide, Düngemittel und ungeklärte Abwässer stärker konzentrieren. Eingeschleppte invasive Raubfische verdrängen zudem vielerorts die heimische Fauna.
“Freshwater ecosystems are declining faster than terrestrial or marine biomes. Protecting river corridors and reducing thermal pollution is critical to safeguarding global aquatic biodiversity.”
Dringender Handlungsbedarf vor der Weltnaturkonferenz COP16
Der Verlust der Artenvielfalt in Binnengewässern hat gravierende soziale und wirtschaftliche Folgen. Weltweit sichern Binnenfischereien in großen Stromgebieten wie dem Mekong, dem Amazonas oder dem Kongo die Ernährungsgrundlage und das Einkommen von mehr als 200 Millionen Menschen.
Im Vorfeld der UN-Weltnaturkonferenz (COP16) appelliert die IUCN an die Regierungen, verbindliche ökologische Mindestabflüsse durchzusetzen, veraltete Flussbarrieren zurückzubauen und im Rahmen des globalen Biodiversitätsabkommens von Kunming-Montreal mindestens 30 Prozent der geschädigten Binnengewässer zu renaturieren.




Comments (0)
Log in to join the discussion.