Die Wirtschaftsleistung im Privatsektor der 20 Staaten des Euroraums ist im September überraschend in den Bereich der Schrumpfung abgerutscht. Laut den vorläufigen Umfrageergebnissen von S&P Global und der Hamburg Commercial Bank (HCOB) fiel der HCOB Flash Eurozone Composite PMI von 51,0 Zählern im Vormonat auf 48,9 Punkte zurück. Damit notiert das Barometer erstmals seit sieben Monaten wieder unter der neutralen 50er-Marke.
Die enttäuschenden Zahlen belegen, dass der zarten konjunkturellen Erholung, die im ersten Halbjahr zu beobachten war, die Puste ausgegangen ist. Auftragsmangel auf breiter Front und wachsende Unsicherheit bei Investitionen führten den zweiten Monat in Folge zu einem Stellenabbau im privaten Sektor.
Industrielle Talfahrt in Deutschland und Katerstimmung nach Olympia in Frankreich
Für den scharfen Rückgang war maßgeblich das Verpuffen der Sonderkonjunktur rund um die Olympischen Spiele in Paris verantwortlich. Der französische Gesamt-PMI sackte von 53,1 im August auf 47,4 Zähler im September ab, was verdeutlicht, dass die sommerlichen Ausgaben im Hotel- und Gaststättengewerbe strukturelle Schwächen nur überdeckt hatten.
Noch größere Sorgen bereitet den Währungshütern die Lage in Deutschland. Der deutsche Industrie-PMI stürzte auf 40,3 Punkte ab – den tiefsten Stand seit zwölf Monaten. Europas größte Volkswirtschaft leidet massiv unter hohen Energiekosten, hartem Wettbewerb durch chinesische E-Auto-Hersteller und schwächelnden Exportmärkten. Der deutsche Gesamtindex sank auf 47,2 Zähler.
“Die Eurozone steuert auf eine Stagnation zu. Nachdem der Olympia-Effekt Frankreich kurzzeitig beflügelte, ging es im September steil bergab, und der deutsche Industrieabschwung vertieft sich ohne Licht am Ende des Tunnels.”
Wachsender Handlungsdruck auf die Europäische Zentralbank für den Oktober
Auch der Dienstleistungssektor der Eurozone, der die Wirtschaft bislang über Wasser hielt, verlor deutlich an Schwung. Der entsprechende Teilindex fiel von 52,9 auf 50,5 Punkte und signalisiert damit kaum noch Wachstum, da Konsumenten und Unternehmen ihre Ausgaben zurückschrauben.
Die schwachen Wirtschaftsdaten wirbelten die Zinserwartungen an den Finanzmärkten durcheinander. Händler schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB auf ihrer nächsten Zinssitzung am 17. Oktober in Ljubljana die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte senkt, mittlerweile auf über 60 Prozent ein – vor den Daten lag der Wert noch bei unter 20 Prozent.




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