Bei Ausgrabungen auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta haben Archäologen einen monumentalen, 4.000 Jahre alten kreisrunden Architekturkomplex aus der minoischen Epoche freigelegt. Fachleute werten den Fund als eine der außergewöhnlichsten und rätselhaftesten Entdeckungen der prähistorischen ägäischen Archäologie.

Das spektakuläre Bauwerk wurde auf dem 494 Meter hohen Hügel Papoura nordwestlich der Stadt Kastelli entdeckt. Die Grabungen fanden im Rahmen von Rettungsuntersuchungen für den Neubau des internationalen Flughafens Iraklio statt, dessen Haupt-Radaranlage ursprünglich genau auf der Hügelkuppe errichtet werden sollte.

Einzigartiges architektonisches Labyrinth der Bronzezeit

Mit einem Durchmesser von rund 48 Metern und einer Gesamtfläche von fast 1.800 Quadratmetern besteht das labyrinthartige Monument aus acht terrassenförmig angelegten, konzentrischen Steinringen. Radiale Zwischenmauern unterteilen das Areal in kleine Kammern, die einen zentralen kreisförmigen Kern umschließen.

Die Entstehungszeit wird auf 2000 bis 1700 v. Chr. datiert – die sogenannte mittelminoische Altpalastzeit. Die Anlage entstand somit noch vor der Blütezeit berühmter Paläste wie Knossos oder Phaistos. Bei den Grabungen traten gewaltige Mengen an zerkleinerten Tierknochen sowie feine Trink- und Opfergefäße zutage.

“Dies ist ein absolut einzigartiges Monument, für das es in der gesamten minoischen Welt keine direkte architektonische Parallele gibt. Es diente zweifellos als regionales Kultzentrum für periodische Rituale und rituelle Festmahle.”

Kultstättenfund zwingt zu Planänderung beim Flughafenbau

Die Konzentration von Tierüberresten und edler Keramik belegt nach Ansicht der Ausgräber, dass es sich nicht um eine Wohnsiedlung oder Wehranlage handelte. Vielmehr kamen die Bewohner der umliegenden fruchtbaren Pediada-Ebene hier regelmäßig zusammen, um Brandopfer darzubringen und Gemeinschaftsfeste zu feiern.

Angesichts der herausragenden Bedeutung des bronzezeitlichen Denkmals einigte sich das griechische Kulturministerium mit der Luftfahrtbehörde auf eine Verlegung der geplanten Radarstation auf einen benachbarten Höhenrücken. Die 4.000 Jahre alte Kultstätte soll vollständig erhalten und wissenschaftlich erforscht werden.

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