Deutschlands Wirtschaft steckt in der Flaute fest und steuert auf das zweite Rezessionsjahr in Folge zu. In ihrer am Freitagmorgen veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose Herbst haben die fünf führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute (Ifo München, DIW Berlin, IfW Kiel, IWH Halle und RWI Essen) ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr 2024 drastisch nach unten korrigiert. Statt des im Frühjahr noch erwarteten Mini-Wachstums von 0,1 Prozent rechnen die Experten nun mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Prozent.
Trifft diese Vorhersage ein, würde die größte Volkswirtschaft Europas nach dem Minus von 0,3 Prozent im Jahr 2023 das erste Mal seit über zwanzig Jahren zwei aufeinanderfolgende Jahre in der Rezession verharren. Auch für das kommende Jahr 2025 zeigten sich die Konjunkturforscher ernüchtert: Die Wachstumserwartung wurde von zuvor 1,4 Prozent auf lediglich 0,8 Prozent gestutzt, was auf eine nur sehr schleppende Erholung hindeutet.
Zweites Rezessionsjahr in Folge: Gemeinschaftsdiagnose Schlägt Alarm
Die Ökonomen diagnostizieren eine toxische Mischung aus konjunktureller Schwäche und tiefgreifenden strukturellen Defiziten. Vor allem die energieintensiven Kernbranchen wie Chemie, Grundstoffindustrie, Maschinenbau und Automobilbau leiden nachhaltig unter den im internationalen Vergleich hohen Strom- und Gaspreisen, die nach dem Wegfall günstiger russischer Pipeline-Lieferungen das Geschäftsmodell belasten.
Erschwerend kommt hinzu, dass wichtige Absatzmärkte wie China schwächeln und zugleich mit subventionierten Hochtechnologiegütern auf den Weltmärkten massiv in Konkurrenz zur deutschen Industrie treten. Gleichzeitig herrscht im Inland eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung, geschürt durch ausufernde bürokratische Auflagen und die anhaltende politische Verunsicherung über den Kurs der Bundesregierung.
“Die deutsche Wirtschaft sitzt in der Stagnation fest. Neben konjunkturellem Gegenwind lasten der strukturelle Wandel der Industrie, hohe Energiekosten und scharfer globaler Wettbewerb schwer auf dem Wachstum.”
Strukturelle Belastungsfaktoren: Energiepreise, Bürokratie und Investitionsstau
Der Befund erhöht den Handlungsdruck auf Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und die Berliner Regierungskoalition immens. Die Bundesregierung wird die Zahlen der Gemeinschaftsdiagnose als Grundlage für ihre eigene Herbstprojektion im Oktober nutzen. Wirtschaftsverbände fordern seit Monaten vehement spürbare Unternehmenssteuerentlastungen, schnellere Planungsverfahren und eine Reform der sozialen Sicherungssysteme.
Die anhaltende deutsche Wachstumsschwäche strahlt auch auf den gesamten Euroraum ab, dessen industrielle Lieferketten eng mit deutschen Produktionsnetzwerken verflochten sind. Da die Industrieproduktion weiterhin spürbar unter dem Vorkrisenniveau von 2019 liegt, erwarten Finanzanalysten, dass die Europäische Zentralbank mit raschen Zinssenkungen reagieren muss, um eine Ausweitung der Flaute zu verhindern.




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