Der Inflationsdruck in Frankreich hat sich im September mit bemerkenswerter Wucht abgeschwächt und den niedrigsten Stand seit über drei Jahren erreicht. Nach ersten Schätzungen des nationalen Statistikamtes INSEE vom Freitagmorgen legte der europäisch harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone im Jahresvergleich um lediglich 1,5 Prozent zu, nach 2,2 Prozent im August.

Auf Basis des nationalen Verbraucherpreisindex verlangsamte sich die Jahresrate von 1,8 Prozent auf 1,2 Prozent, während die Preise im Monatsvergleich um deutliche 1,1 Prozent nachgaben. Ausschlaggebend für die Abkühlung war der massive Preisrückgang bei Mineralölprodukten an den Zapfsäulen sowie das saisonale Nachlassen der Preise für Pauschalreisen, Flugtickets und Beherbergungsdienstleistungen.

Drei-Jahres-Tief bei der Teuerung Dank Fallender Benzinpreise

Der Dienstleistungssektor, der im Juli und August infolge des Touristenandrangs während der Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris 2024 kräftige Preisaufschläge verzeichnet hatte, normalisierte sich rasch. Das Auslaufen dieser Sonderfaktoren in Verbindung mit günstigerem Treibstoff brachte spürbare Erleichterung für die Haushaltskassen der französischen Verbraucher.

Die Nahrungsmittelpreise zogen auf Jahressicht nur noch um 0,5 Prozent an und setzten damit ihren Normalisierungspfad fort. Industrielle Fertigwaren verbilligten sich im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozent, da Händler mit Preisnachlässen versuchten, die infolge politischer Unsicherheiten verhaltene Konsumnachfrage im Inland anzukurbeln.

“Die Inflation in Frankreich hat die europäische 2-Prozent-Marke deutlich unterschritten, was Unternehmen und Verbrauchern bei der Normalisierung der Geldpolitik wichtigen Spielraum verschafft.”

Normalisierung nach den Olympischen Spielen und EZB-Ausblick

Zusammen mit den zeitgleich veröffentlichten spanischen Daten, die einen Rückgang auf 1,7 Prozent auswiesen, liefert der französische Bericht den eindeutigen Beweis dafür, dass die Teuerung im Euroraum schneller weicht als von den Projektionen der Notenbank in Frankfurt vorhergesagt. Die Preissteigerung in wichtigen Mitgliedsländern liegt nun merklich unter dem mittelfristigen 2,0-Prozent-Ziel der EZB.

An den Finanzmärkten schlug sich die Entwicklung in einer Neubewertung der EZB-Geldpolitik nieder. Anleger erwarten nun mit überwältigender Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank ihren Leitzins auf der Sitzung am 17. Oktober um 25 Basispunkte senken wird. Angesichts der schwachen Industriekonjunktur in Frankreich und Deutschland fordern Ökonomen ein beherztes Gegensteuern der Währungshüter.

Sources