Der Gouverneur der Bank of England (BoE), Andrew Bailey, hat in öffentlichen Äußerungen signalisiert, dass die britische Notenbank bei der Lockerung der Zinsen künftig 'etwas aktiver' vorgehen könnte. Die Leitzinsen könnten demnach auf einem etwas aggressiveren Pfad sinken als bislang von den Märkten erwartet, sofern kommende Wirtschaftsdaten einen nachhaltigen Rückgang des Preisdrucks bestätigen.
In vielbeachteten Äußerungen betonte Bailey, dass die jüngsten Fortschritte bei der Disinflation in Großbritannien sehr ermutigend seien. Zwar lag die Gesamtinflation zuletzt nahe dem offiziellen Zielwert von 2,0 Prozent, der geldpolitische Ausschuss (MPC) agierte jedoch wegen der Zähigkeit der Dienstleistungsinflation und des Lohnwachstums bislang vorsichtig.
Signalwechsel in der Threadneedle Street zu offensiverer Zinslockerung
Baileys Worte markieren eine bemerkenswerte Verschiebung in der Kommunikation der Notenbank. Er unterstrich, dass die Währungshüter mehr Spielraum zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums hätten, wenn die nächsten Berichte des Statistikamtes ONS eine anhaltende Entspannung bei der Preissetzungsmacht der Unternehmen belegen.
Die Finanzmärkte reagierten prompt und preisten eine höhere Wahrscheinlichkeit aufeinanderfolgender Zinssenkungen im Herbst und Winter ein. An den Londoner Terminmärkten stiegen die Erwartungen an einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bei der Sitzung im November sprunghaft an.
“Wenn die Nachrichten zur Inflation weiterhin gut sind, sollten wir in der Lage sein, die Zinsen auf einem etwas aggressiveren Pfad als bisher erwartet zu senken.”
Marktreaktion: Pfund unter Druck und fallende Renditen britischer Staatsanleihen
Die taubenhaften Töne setzten die britische Währung sofort unter Druck. Das britische Pfund verlor gegenüber dem US-Dollar und dem Euro an Wert, während die Renditen zweijähriger britischer Staatsanleihen (Gilts) auf den tiefsten Stand seit mehreren Wochen fielen.
Wirtschaftsverbände und Hausbesitzer begrüßten die Aussicht auf sinkende Kreditkosten. Günstigere Finanzierungskonditionen seien dringend notwendig, um Investitionen der Unternehmen anzukurbeln und Millionen Haushalte vor auslaufenden Zinsbindungen bei Hypotheken zu entlasten.




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